Flori, der Kämpfer

Flori ist ein junger Mann, den ich seit einiger Zeit begleite und der mich sehr beeindruckt.

Er ist 18 Jahre alt und hat einen Mitochondriendefekt, der zu körperlichen und sprachlichen Beeinträchtigungen führt.

 

2014 hatte Flori seinen Großvater verloren. Er litt sehr unter diesem Verlust. Schließlich hatten die beiden fast täglich beim Warten auf den Schulbus über alles, was den FC-Bayern betrifft, gefachsimpelt.

Flori kam zu uns ins Haus und sprach zunächst kaum. Aber er verliebte sich in Niko, meinen Kater, auch genannt Edler.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Diese Liebe beruht auf Gegenseitigkeit.

Wenn Flori sich bei mir zum Abendessen angemeldet hatte, sagte ich in der Früh zum Kater:

"Edler, du hast heut um 18:00 Uhr einen Termin“.

Und der Kater war da.

Obwohl er sonst bei Fremden eher zurückhaltend ist,

ließ er sich neben Flori auf der Couch nieder und sich von ihm streicheln,

auch wenn das auf Grund von Floris Grunderkrankung manchmal etwas ungelenk war.

 

 

 

 

 

 

 

 

Flori besuchte auch gerne Rosi.

Das Reiten war nicht seins, aber die Kutsche.

Mit Leiter und vereinten Kräften schaffte er es auf den Bock

und lenkte Rosi zum Bauernhof einer Schulkameradin.

Nach einem Plausch ging es zurück.

Anfang diesen Jahres bekam Flori eine Lungenentzündung und musste auf die Intensivstation ins Unfallkrankenhaus Murnau.

Bei meinem Dienst dort entdeckte ich seinen Namen auf der Patientenliste und war ziemlich erschrocken,

als ich ihn das erste Mal sah.

Seine Mutter erzählte mir, dass es in der ersten Nacht „Spitz auf Knopf“ stand, wie man hier sagt.

Das heißt, es war nicht sicher, ob er diese Nacht überleben würde.

Doch Flori ist zäh.

Beatmung, Magensonde und immer noch hatte er die Hoffnung, dass es wieder so wie früher werden würde. Seine Grunderkrankung stand jedoch dagegen.

Es gab eine Zeit, da war Flori wütend, wollte keine Therapien, wollte nicht selbst atmen, wollte nur heim. Bis er, auch durch den liebevollen Umgang der PflegerInnen, anfing mitzumachen.

Physio-, ergo- und Logotherapie, sowie atmen ohne Maschine. Insgesamt war er 4,5 Monate im UKM, bis er schließlich nach Hause durfte. Vorher musste er dazu noch eine Operation überstehen. Am Abend vorher schrieb er mir: „Ich hab Angst“.

Am nächsten Tag folgte ich meinem Gefühl, fuhr ins Krankenhaus und kam so rechtzeitig, dass ich ihm noch etwas aus einer Geschichte der „Drei Fragezeichen“ vorlesen und ihn dann bis vor den OP-Saal begleiten konnte. Seine Angst konnte ich nachvollziehen und ich war froh, ihn am nächsten Tag fröhlich die Pflegerin necken zu sehen.

Dann ging`s nach Hause. Alles war arrangiert. Das Pflegebett, der 24-Stunden-Pflegedienst, ein Gerät, das Flori samt Rollstuhl über die Treppen bringt und die Geräte zur Beatmung und zur Ernährung durch die Magensonde.

Beim ersten Besuch, kuschelte Flori mit dem Kaninchen Hoppel. Wie gut der Kontakt zu Tieren doch tut! Flori fragte mich auch, ob ich nicht mal den Edlen mitbringen könne.

 

Letzte Woche war es so weit.

Beim Haus angekommen, den Edlen im Katzenkorb, ging ich durch den Garten zu Flori. Der spielte dort mit seiner Oma und seiner Pflegerin

Mensch-ärgere-dich-nicht.

Nachdem das Wohnzimmer ausbruchssicher gemacht worden war, durfte der Edle heraus. Er fand es spannend und ich hatte den Eindruck, Flori auch. Aufmerksam verfolgte er die Erkundungen des Katers und seine Augen leuchteten. Immer wenn Niko nahe genug am Rollstuhl war, berührte Flori sein Fell. Mit einer Decke schützten wir Floris Oberschenkel und legten ihm den Edlen auf den Schoß. Trotz aller Aufregung legte sich der Kater hin und schnurrte leise. Flori streichelte ihn und strahlte. Der Kater entdeckte dann die Fensterbank und ließ sich dort nieder. Flori folgte ihm mit den Augen und drehte selbst den Rollstuhl, um Niko besser beobachten zu können. Das fühlte sich richtig gut an, hatte ich Flori schon lange nicht mehr so aktiv und lebendig erlebt.

An diesem Tag war er seit in der Früh ohne Beatmung unterwegs.

Wow, was für eine Entwicklung!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Seht selbst, wie Flori strahlt!