Danke Gabi

Ende Januar ist Gabi, die Mutter meiner besten Freundin gestorben. 1966 kam ich zu ihr in die zweite Klasse der Grundschule, nachdem ich von Berlin nach München gezogen war.

Dort traf ich auf Steffi und nach kurzer Zeit teilten wir uns eine Bank. Bei Gabi lernte ich neben dem Schulstoff den bayrischen Dialekt, singen, tanzen und Theater spielen und weil ich oft bei Volksmusik-Treffen dabei sein durfte, auch die Liebe zur bayrischen Musik. Sogar den Bandltanz hat Gabi mit uns am Schulhof aufgeführt.

Am Sudelfeld hatte die Familie eine Alm und fast jedes Winterwochenende durfte ich mit zum Schifahren. Legendär waren die Faschingsveranstaltungen auf der Alm. Bernhard, Steffis Vater, hatte im Kuhstall einen Tanzboden aufgebaut, die Wände waren bunt dekoriert und mehrere Gasheizstrahler sorgten für wohlige Wärme. Ein buntes Volk aus SchifahrerInnen, Musikanten und SängerInnen feierten ausgelassen Fasching. Mehr als einmal bestiegen Steffi und ich nach einer durchfeierten Nacht unsere Brettl und gingen „maschkera“ auf die Piste. Gabi fuhr mit. Noch heute seh` ich sie als Bayrischen Kasperl vor mir.

Doch auch über den Fasching hinaus waren ihr Einfallsreichtum und ihre Kreativität berühmt. Sie spielte leidenschaftlich gerne Theater und lachte gerne und viel. Eine Schauspielerin sagte einmal, als sie hörte, dass Gabi unter den Zuschauern sei: „Schee, dann lacht wenigstens oane.“

Für andere, die in finanziellen oder anderen Nöten waren, war Gabi immer da. Unauffällig und bescheiden halfen sie und Bernhard vielen Menschen.

Leider begann 2008 ihre Demenz. Nach und nach zog sie sich in eine Welt zurück, in die wir ihr nicht folgen konnten. Bis zu ihrem Tod verbrachte sie viel Zeit in Italien, bei ihrem Sohn, der dort lebt. Dort hatte sie immer wieder viel Spaß. Sie entdeckte ihre Liebe zu Farben und kaufte sich fröhliche bunte Kleidung. Auch Hüte trug sie sehr gerne. Sie genoss Italiens Wärme, das Flair der kleinen Stadt Umbertide, den Spritz oder den Cappu auf der Piazza oder das Eis aus der Gelateria. Am Ende sprach sie kaum noch und sang auch nicht mehr. Ich bin sicher, dass die Liebe ihrer Kinder, ihrer Pflegerinnen und ihrer Freunde ihre Lebenszeit verlängert haben. Und auch wenn ich sie lange nicht mehr gesehen habe, macht mich ihr Tod traurig und ich sag zum Abschied leise:

Servus Gabi und danke für alles.“

 

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